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Margrith Bigler-Eggenberger

Margrith Bigler-Eggenberger – MBE, wie wir sie heiter und respektvoll nennen – wurde am 14. März 1933 in Uzwil, St. Gallen geboren. 1974 wurde sie als erste Frau ans Schweizer Bundesgericht gewählt, bis sie 1994 pensioniert wurde. Ein Jahr früher trat Ruth Bader Ginsburg RBG (*15. März 1993), als zweite Frau am Supreme Court der Vereinigten Staaten an. Beide leisteten als Juristinnen im höchsten Gericht ihres Landes Wegweisendes. Sie hielten als Frauen in einer Männerwelt viel aus und bereiteten den Raum für Nachfolgerinnen vor. 
MBE amtierte bis 1994 und lehrte parallel an der Universität St. Gallen Sozialversicherungsrecht, zu einer Zeit, als kaum jemand darin ein wichtiges Rechtsgebiet sah. 1979 veröffentlichte sie ihr Grundlagenwerk «Soziale Sicherung der Frau», in dem sie konkrete Reformforderungen formulierte, die bis heute auf ihre Einlösung warten.
Für uns ist MBE als Juristin, Sozialistin und Feministin von grosser Bedeutung. Sie wirkte am FRI als Mitstreiterin, teilte unsere sozialen und politischen Anliegen, beteiligte sich an Tagungen, schrieb Vorworte und blieb bis ins hohe Alter aktiv.
Als sie 2013 gefragt wurde, was sie sich zu ihrem 80. Geburtstag wünsche, war die Antwort bezeichnend: einen FRI-Workshop zum Thema Utopien. Am 5. September 2022 starb Margrith Bigler-Eggenberger 89-jährig in St. Gallen.

Weiterwirken

In ihrem Testament bestimmte MBE die FRI-Stiftung zu ihrer Alleinerbin. Wir traten ihr Erbe 2023 voller Respekt und Dankbarkeit an. Wir sehen darin ihr Vertrauen in ein Projekt, das sie mitgetragen hatte, und ihren Auftrag, es weiterzuführen.
Ihr Vermächtnis ermöglicht dem FRI einen entscheidenden Schritt: den Aufbau eines professionellen Instituts. Was über 30 Jahre ehrenamtlich aufgebaut wurde, kann nun strukturell gefestigt und weiterentwickelt werden. 
Gleichzeitig ermöglicht uns das Erbe, ihr Leben und Wirken sichtbar zu machen und in Erinnerung zu halten. Wir erforschen und dokumentieren MBEs Beitrag zur Entwicklung des Schweizer Rechts, unterstützen Publikationen junger Jurist*innen in ihrem Sinne und planen für 2029 eine Tagung, die an ihr Grundlagenwerk «Soziale Sicherung der Frau» anknüpft und fragt, was aus ihren Forderungen von 1979 geworden ist. MBE bleibt eine lebendige Referenz und wirkt bis heute fort.